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Gamescom - Deutsche Firmen profitieren kaum vom Gaming-Boom

2019-08-20 603 37 20,402 YouTube

Mehr Platz, mehr Aussteller, mehr Besucher - in diesem Jahr ist die Gamescom noch größer. Im vergangenen Jahr hatten sich 370.000 Besucher und über 1000 Aussteller in den Kölner Messehallen verteilt, Zahlen, die die Veranstalter noch einmal toppen wollen. Ein "Gaming-Event der Superlative" verspricht der Chef der Kölnmesse, Gerald Böse. Ein Highlight erhoffen sich Gaming-Fans vor allem von dem Spiel: "Cyberpunk 2077". Das Action-Rollenspiel hatte auf der größten Spielemesse der Welt, der E3 in Los Angeles, bereits für Aufsehen gesorgt. Schauspieler Keanu Reeves übernahm dort die Präsentation - denn er spielt selber mit, übernahm eine der Rollen im Konsolenspiel. Die polnischen Entwickler von CD Projekt Red reisen mit der deutschen Demo im Gepäck nach Köln. Wer die berühmt berüchtigten stundenlangen Warteschlangen der Gamescom-Besucher sehen will, wird sie wohl an diesem Stand leicht finden. Daneben fiebern die Fans auch auf Spielehits wie "Fifa 2020" oder "Call of Duty: Warfare" hin. Außerdem auf dieser Gamescom im Mittelpunkt: Cloud Gaming. Hierbei laufen die Games hauptsächlich in der Cloud, auf externen Servern. Entwickler versprechen sich dadurch technisch und grafisch aufwändigere Spiele. Hardware und Endgeräte werden entlastet. Grundbedingung ist allerdings eine stabile, rasend schnelle Internetverbindung. Ein große Chance für das Cloud Gaming sehen Entwickler auch in Deutschland. "Das Potential ist riesig", erklärt Felix Falk, Chef des deutschen Branchenverbandes GAME, und verweist darauf, dass sich im Moment entscheide, wer auf der Welt in den kommenden Jahren die Nase vorn haben wird. Und sollte Deutschland dort mitmischen wollen, wäre es an der Zeit eine verlässliche Förderung zu erhalten. Es würde sich lohnen, betonen Branchenvertreter: Der Gaming Markt in Deutschland boomt, alleine in den vergangenen sechs Monaten verzeichnete die Branche ein Wachstum von elf Prozent. Ein Wachstum, von dem deutsche Computerspiele-Hersteller aber kaum profitieren würden, wie Felix Falk beklagt. Statt Wachstum erleben die deutschen Unternehmen, dass sie von internationalen Wettbewerbern aufgekauft werden. Der Anteil an deutschen Computerspielen auf dem internationalen Markt sinkt - ebenso die Zahl der Beschäftigten. "Hier wird deutlich, wie schlecht die Wettbewerbsbedingungen in Deutschland im internationalen Vergleich sind", erklärt Falk. Ihm fehlt es vor allem an Unterstützung der Bundesregierung. Die Games-Branche in Frankreich oder Großbritannien sei viel besser aufgestellt, da es dort seit Jahren eine staatliche Förderung gebe. "In diesen Ländern wurde das große kulturelle, wirtschaftliche und technologische Potenzial von Games deutlich früher erkannt und dementsprechend auch gehandelt", beklagt Falk. Staatliche Förderung gibt es in Deutschland auch, allerdings erst seit diesem Jahr. 50 Millionen Euro hatte die Bundesregierung bereit gestellt. Im vergangenen Jahr galt das noch als großer Wurf - allerdings wohl auch ein einmaliger. Für das kommenden Jahr sind die Mittel für Computerspielförderung auf Null gesetzt worden. Für die Branche ein Schock. "Unsere Zukunft ist damit wieder etwas unsicherer geworden", berichtet Johannes Roth von mimimi games, einem Spieleproduzenten aus München. 25 Mitarbeiter hat sein Unternehmen, eigentlich hatte Roth auf Wachstumskurs gesetzt - und dabei auch auf staatliche Förderung gehofft. Die Hoffnung war, bessere Gehälter zahlen zu können, Talente nicht an die internationale Konkurrenz zu verlieren und damit wettbewerbsfähig zu sein. Denn die staatliche Förderung in anderen Ländern habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass gerade die großen Aufträge für deutsche Hersteller unerreichbar waren. "Wenn andere europäische Entwickler auf Multimillionenprojekte letztlich 20 bis 30 Prozent Rabatt auf das Budget anbieten können, dann ist doch klar, wer den Zuschlag bekommt", sagt Roth. Es wird also ein eher unbequemer Auftritt für Andreas Scheuer und Dorothee Bär, wenn Sie heute die Gamescom eröffnen. Scheuer ist Minister für digitale Infrastruktur, Bär Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt. Beide sind also per Definition dafür da, der Branche politisch unter die Arme zu greifen. "Die Branche fordert zu Recht ein, dass die Mittel für die Gamesförderung auch im Haushalt 2020 bereitgestellt werden müssen", sagt Bär auf Anfrage von tagesschau.de. Beide Minister würden sich mit "Nachdruck" für die Gamesförderung einsetzen, aber am Ende entscheide das Parlament "in letzter Instanz". Das klingt nicht unbedingt nach guten Nachrichten für die deutschen Hersteller. Dabei wäre eine starke Unterstützung gerade jetzt sinnvoll. Am Ende aber könnte es der ganzen Branche gehen wie mimimi und seinem Gründer Johannes Roth: "Ich würde jetzt gerne richtig Geschwindigkeit aufbauen." Doch dafür brauche es eben auch staatliche Unterstützung.

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